Die Kirchenfenster der historischen Sammlung Groß Schneen – Teil 4

Kirchenfenster in der Historischen Sammlung Groß SchneenSeit Juni 2017 präsentiert der Heimatverein Groß Schneen zwei restaurierte Kirchenfenster in seiner Sammlung. Die Fenster stammen aus zwei verschiedenen Groß Schneer Kirchen. Bei dem einen Fenster handelt es sich um ein Buntglasfenster aus dem Jahr 1934 der sogenannten „Unterkirche“ St. Michaelis. Das andere ist ein handbemaltes Fenster von 1894, das aus der „Oberkirche“ St. Nikolai stammt. St. Nikolai wurde 1971 abgerissen.

Teil 4: Die Kirche, die nicht mehr ins Dorf passte – Die Geschichte der Oberkirche St. Nikolai

Luftbild von St. Nikolai in Groß Schneen, 1957.
Luftbild von St. Nikolai in Groß Schneen, 1957. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.
Umbauten und Leerstände 
Wie die St. Michaeliskirche im Unterdorf wurde auch die St. Nikolaikirche im Jahr 1262 erstmalig urkundlich erwähnt. schon seit dem 15. Jahrhundert hatte sie aber keinen eigenen Geistlichen mehr. Seitdem kümmerte sich derselbe Pfarrer um beide Groß Schneer Kirchen.

Nach einem Brand im 1650 musste St. Nikolai komplett neu errichtet werden. Doch schon 1738 konnte sie wegen großer Baufälligkeit nicht mehr besucht werden. 13 Jahre sollte es dauern, bis der Wiederaufbau aus den Steinen des abgebrochenen Amtshauses Mariengarten beginnen konnte. 1756, 5 Jahre nach dem Beginn des Wiederaufbaus im Jahr 1751 konnte der erste Gottesdienst in dem neuen, schlichten Barockbau abgehalten werden. Erst 1768 waren auch der Innenausbau und die Dekoration abgeschlossen.

Glasmalereifenster vor dem Abriss.
Glasmalereifenster vor dem Abriss. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.

Die nächste umfangreiche Instandsetzung fand in den 1890er Jahren statt. In diesem Zug ergänzte man die Kirche um ein Türmchen. Außerdem wurde ein handgemaltes Buntglasfenster in die Ostwand hinter dem Altar eingesetzt – das Fenster, das heute in der Historischen Sammlung zu sehen ist.

St. Nikolai 1971
St. Nikolai 1971. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.

 

Doch weniger als 50 Jahre später, im Jahr 1943, fand der letzte Gottesdienst in St. Nikolai statt. Schließlich entschloss man sich 1971 zum Abriss der Kirche: Sie war seit Jahren nur als Lagerraum benutzt worden, außerdem baufällig und der Platz wurde für Schulgebäude benötigt. Die Gebeine des alten Friedhofs wurden umgebettet, einige Schätze aus der Kirche entfernt. Dann rückten die Bagger an. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung blieb von der Oberkirche St. Nikolai nur noch ein Haufen Schutt.

Abriss 1971.
Abriss 1971. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.
Was blieb von St. Nikolai?

Die liturgischen Gegenstände, die Orgel, die Einrichtung und das Glasmalereifenster wurden vor dem Abriss aus der Kirche entfernt und fanden an unterschiedlichen Orten ein neues zu Hause:

Zwei Altarleuchter aus Zinn, Taufschalen, goldverzierte Kelche und Oblatendosen befinden sich heute in der Unterkirche St. Michaelis.
Die historische Denkmalorgel, 1795 von Joh. Wilh. Schmerbach (der Mittlere) erbaut und vom Patron von Hugo gestiftet, erklingt noch heute in der St. Martinikirche in Bischhausen. 

Innenraum St. Nikolai.
Innenraum St. Nikolai. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.

Der Altar, die Kanzel und auch ein Teil der Kirchenbänke wurden in die Kirche Gelliehausen eingebaut. Nach der Renovierung dieser Kirche  fanden diese Gegenstände keine Verwendung mehr. Nur das Kruzifix des Nikolaialtars versieht noch immer seinen Dienst in der Friedhofskapelle in Gelliehausen.
Ein Teil des Kirchengestühls fand eine ganz neue Bestimmung. Im Grenzdurchgangslager Friedland dienten sie den Geflüchteten im damaligen Lagerkino in der „Betreuungshalle Nr. 36“ als Kinositze.

Alte Kirchentür von St. Nikolai im Heimathaus auf dem Einzelberg.
Alte Kirchentür von St. Nikolai im Heimathaus auf dem Einzelberg. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.

Die Kirchentür der abgerissenen St. Nikolaikirche wurde als Eingangstür in das Haus des Heimatvereins auf dem Einzelberg eingebaut. Durch die ehemals auf der Nordseite der Kirche eingebaute Tür betritt man heute die Räume der Historischen Sammlung.
Hier zeigt der Verein auch weitere Überreste der Kirche, darunter die Wetterfahne mit Dokumentenkugel und der Taufbeckenständer. Und endlich fand im August 2017 nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten auch das Glasmalereifenster seinen Platz in der Sammlung.

Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen e.V.; Gudrun Blank-Vollmer, Groß Schneen

Lebendiger Museumstag 2018 auf dem Meierhof

Internationaler Museumstag 2018 im geplanten Dorfmuseum Meierhof in Hattorf.
Internationaler Museumstag 2018 im geplanten Dorfmuseum Meierhof in Hattorf. Foto: Dorfmuseum Meierhof – Verein für Plattdeutsch und Dorfgeschichte Hattorf am Harz e.V.
Muttertagsbrunch inklusive

Am Sonntag, den 13. Mai, dem internationalen Museumstag – und Muttertag – war im geplanten Dorfmuseum Meierhof einiges los! Die Veranstalter freuten sich über das große Interesse der Besucher aus der ganzen Region. Bereits zum 2. Mal beteiligte sich der Verein „Dorfmuseum Meierhof – Verein für Plattdeutsch und Dorfgeschichte Hattorf am Harz e.V.“ am internationalen Museumstag und hatte wieder einiges zum Bestaunen und zum Mitmachen auf die Beine gestellt. Los ging es mit einem Muttertagsbrunch mit vielfältigen Zutaten aus dem Meierhofgarten und der Region.

Streichelzoo und Sauerkraut
Kuh melken beim Parcours "Landwirtschaft für kleine Hände" der Landfrauen in Hattorf.
Kuh melken beim Parcours „Landwirtschaft für kleine Hände“ der Landfrauen in Hattorf. Foto: Dorfmuseum Meierhof – Verein für Plattdeutsch und Dorfgeschichte Hattorf am Harz e.V.

Nachdem der Bauch wohlig gefüllt war, stürzten sich kleine und große Besucher in den Museumstag. Für die Kleinen organisierten die Landfrauen einen Parcours unter dem Motto „Landwirtschaft für kleine Hände“, in dem die Kinder zum Beispiel eine (hölzerne) Kuh melken durften. Außerdem konnten sie lernen, wie man Sauerkraut macht oder Wolle spinnt. Ein Schmied und ein Dachdecker führten ihr Handwerk vor. Ein besonderes Highlight aber war das Pony, das sich gerne von den Kindern streicheln ließ. Auch die Erwachsenen konnten bei diesen und anderen Aktionen mitmachen oder das Insektenhotel gestalten.
Für die Mithilfe bei allen Aktionen bedankt sich der Verein sowohl bei seinen Vereinsmitgliedern als auch bei Dachdecker Geike und dem Museumsverein aus Förste, die Sauerkraut fachgerecht und mit Muskelkraft hergestellt haben. Dieses soll zum Kohlfest im September natürlich auch verkostet werden!

Begegnungsort zukünftiges Museum

Nebenbei sahen sich die Besucher auch in der kleinen Ausstellung in der Remise um und genossen einfach nur die schöne Atmosphäre im Garten des Meierhofs. Mit der Gestaltung dieses Tages hat der Verein erneut gezeigt wohin der Weg gehen soll, wenn sämtliche Umbaumaßnahmen fertig sind und das ganze Gebäude entsprechend genutzt werden kann: „Ein lebendiges Museum, in dem jeder mit verschiedenen Aktivitäten nachempfinden kann, wie es früher einmal war.“

Fernmeldetechnik früher – Neue Ausstellung in Adelebsen

Telefone in der Ausstellung Fernmeldetechnik früher und heute im Steinarbeitermuseum Adelebsen
Telefonausstellung in Adelebsen. Foto: Gerhard Elsner 2018.
Vom Fernsprechapparat zum Handy

Seit April kann man in Adelebsen eine neue Sonderausstellung bewundern. Hartmut Koch hat dafür seine Sammlung von Telefonapparaten dem Steinarbeitermuseum zur Verfügung gestellt. Der pensionierte Diplom-Ingenieur aus Adelebsen sammelte fast sein ganzes Berufsleben lang Telefontechnik. Zu seiner Sammlung gehören zum Beispiel: Ein „W28“ Telefon der Reichpost von 1928, fabrikneue Modelle aus der DDR und erste „richtige“ Handys aus der 1990er Jahren.

„Guten Tag, Steinarbeitermuseum am Apparat!“

Prüfstation von 1927 in der Ausstellung Fernmeldetechnik früher und heute im Steinarbeitermuseum Adelebsen.
Prüfstation von 1927. Foto: Gerhard Elsner 2018.

Einige der Telefone sind sogar angeschlossen. Die Besucher*innen können sich von unterschiedlichen Apparaten in der Ausstellung also gegenseitig anrufen. In der Ausstellung sind außerdem Prüfgeräte, Router, Schaltpläne und vieles mehr rund um die Nachrichtentechnik zu sehen.

Öffnungszeiten

Das Museum ist an jedem 1. Sonntag im Monat von 15 Uhr bis 17:30 Uhr geöffnet, d.h. am  3.6.; 1.7.; 5.8.; 2.9.. Auch für Kaffee und Kuchen ist an diesen Terminen gesorgt.

Außerdem kann das Museum nach Absprache mit dem 1. Vorsitzenden Werner Lindemann unter 05506/7801 für Sonderführungen gebucht werden.

Kartuffeln planten im Kinregoarten

Wulftener Kinder pflanzen Kartoffeln – "Kartuffeln" im Wulftener Platt
Bei den Vorbereitungen. Foto: Heimatverein Wulften e.V.
Neues Plattdeutschprojekt in Wulften

Um den Kindern die plattdeutsche Sprache näher zu bringen, startete der Heimat- und Geschichtsverein Wulften ein neues Projekt mit dem Kindergarten Wulften. Elvira Schaper und Rosi Mutio machten sich mit Pflanzkartoffeln – im Wulftener Platt „Kartuffeln“ genannt – auf den Weg zum Kindergarten. Dort legten sie zusammen mit den Kindern ein Kartoffelbeet an.

Von der „Kartuffel“ zum Pommes

Ausgestattet mit Kopftuch und Schürze wie in alter Zeit erklärten sie den Kleinen, wie das früher gemacht wurde. Emsig waren diese dabei und legten Kartoffeln in die vorbereiteten Löcher im Boden. Dabei sprachen die Erwachsenen immer wieder Platt. Manchen Kindern war diese Sprache ganz neu, einige konnten sogar das Wulftener Platt verstehen, weil zu Hause die Oma auch noch Platt spricht. So wurde spielerisch vermittelt, dass Kartoffeln erst einmal in die Erde gelegt und bis zum Herbst gepflegt werden müssen. Erst dann kann man die groß und schön rund gewordenen „Kartoffelkinder“ ernten, um daraus leckere Pommes, Kartoffelbrei oder Puffer zu machen. 

Mehr Aktionen in Planung

Alle hatten viel Spaß dabei und planen schon weitere Aktionen. Unter dem Motto: “Platt is cool“   folgt der Heimat- und Geschichtsverein Wulften den Anregungen des Beauftragten für die niederdeutsche Sprache im Landkreis Göttingen, Wolfgang Leopold aus Dorste.  Er ist auch Vorsitzender des Südniedersächsischen Plattdeutsch-Forums, das neben vielen weiteren Projekten vom Niedersächsischen Kultusministerium gefördert wird.

Text: Heimatverein Wulften

Die Kirchenfenster der historischen Sammlung Groß Schneen – Teil 3

Kirchenfenster in der Historischen Sammlung Groß Schneen
Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.

Seit Juni 2017 präsentiert der Heimatverein Groß Schneen zwei restaurierte Kirchenfenster in seiner Sammlung. Die Fenster stammen aus zwei verschiedenen Groß Schneer Kirchen. Bei dem einen Fenster handelt es sich um ein Buntglasfenster aus dem Jahr 1934 der sogenannten „Unterkirche“ St. Michaelis. Das andere ist ein handbemaltes Fenster von 1894, das aus der „Oberkirche“ St. Nikolai stammt. St. Nikolai wurde 1971 abgerissen.

Teil 3: Fenster zur Geschichte – Das Buntglasfenster „Wilhelm von dem Hagen“

Buntglasfenster "Wilhelm von dem Hagen" in der St. Michaeliskirche, 1969
Buntglasfenster „Wilhelm von dem Hagen“ in der St. Michaeliskirche, 1969. Foto: Heimatverein Groß Schneen e.V.

Aus der Unterkirche St. Michaelis gelangte ein ca. 1930 hergestelltes Buntglasfenster mit besonderer Geschichte in die historische Sammlung Groß Schneen. Das Fenster zeigt Wilhelm von dem Hagen als Ritter in Rüstung, umgeben von dem Spruch „Eine größere Liebe kann niemand haben, als dass er sein Leben lässt für seine Freunde“ (Joh 15,13).
Wilhelm von dem Hagen wurde 1881 in Groß Schneen geboren und fiel 1915 am Suezkanal als Offizier der türkischen Armee.

„Unter den Toten hatten wir leider auch den Hauptmann von dem Hagen zu beklagen, einen jungen, frischen, tüchtigen und hervorragend tapferen Offizier. Ich hatte ihn damit beauftragt, das Übersetzen am linken Flügel zu leiten; er fiel, von einem Kopfschuß getroffen […]. Die Engländer haben ihn am Ufer des Kanals begraben.“ (Friedrich Kress von Kressenstein: Mit den Türken zum Suezkanal“, 1938, S. 95)

Um 1930 gab seine Familie bei der Künstlerin Lina von Schauroth ein Fenster zu seinem Gedenken in Auftrag. Von Schauroth war Mitglied der Frauenorganisation des paramilitärischen, deutschnationalen Stahlhelm, der während der Weimarer Republik gegen die Demokratie und für die Wiedereinführung des Kaiserreichs kämpfte. Dementsprechend trägt von dem Hagen zu seiner mittelalterlichen Rüstung einen zeitgenössische Stahlhelm. Zudem ist der ihn umgebende Bogen mit Tatzenkreuzen verziert, die durch ihre Ähnlichkeit mit dem Eisernen Kreuz von dem Hagen in eine preußisch-militärische Tradition stellen. Bei der Renovierung von St. Michaelis im Jahr 1934 tauschte man eines Fenster auf der Südseite der Kirche gegen das Fenster der von dem Hagens aus.

Eisernes Kreuz vo 1870
Eisernes Kreuz von 1870 (Foto: Militärhistorisches Museum der Bundeswehr)

1986/1987 wurde St. Michaelis erneut renoviert. Hierbei ersetzte man Lina von Schauroths Fenster wieder durch das Fenster, das sich vor 1934 an dieser Stelle befunden hatte. Das ging nicht ohne Kontroverse vor sich: Manche sahen das Motiv als kriegsverherrlichend an und somit in der Kirche fehl am Platz. Andere wollten das Fenster als historisches Zeugnis an seinem Platz belassen. Schließlich einigte man sich darauf, dass der Heimatverein Groß Schneen das Fenster in seine Sammlung aufnehmen sollte.

Dieser ließ das Fenster für mehr als 2.200 DM restaurieren. Heute steht es zusammen mit einem Fenster aus der ehemaligen Groß Schneer Kirche St. Nikolai hinterleuchtet an prominenter Position in der Sammlung.

Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen e.V.; Heine Trümper, Groß Schneen