Die Kirchenfenster der historischen Sammlung Groß Schneen – Teil 2

Foto: Heimatverein Groß Schnee e.V.

Seit Juni 2017 präsentiert der Heimatverein Groß Schneen zwei restaurierte Kirchenfenster in seiner Sammlung. Die Fenster stammen aus zwei verschiedenen Groß Schneer Kirchen. Bei dem einen Fenster handelt es sich um ein Buntglasfenster aus dem Jahr 1934 der sogenannten „Unterkirche“ St. Michaelis. Das andere ist ein handbemaltes Fenster von 1894, das aus der „Oberkirche“ St. Nikolai stammt. St. Nikolai wurde 1971 abgerissen.

 

 

Teil 2: Kirche und Kirmes – Die Unterkirche St. Michaelis

Die erste urkundliche Erwähnung der Unterkirche St. Michaelis stammt aus dem 13. Jahrhundert. Im 30-jährigen Krieg wurde die Kirche jedoch ein Opfer der Flammen: Soldaten der Tillyschen Armee legten im August 1623 ein Feuer, das die Kirche und sämtliche Gebäude des Dorfes bis auf drei Häuser zerstörte. Von der Kirche blieben nur die Mauern stehen. Der Wiederaufbau dauerte jedoch Jahrzehnte.

Die Kirchenrechnung von 1679 gibt Auskunft, dass in der stark beschädigten Kirche noch „gepredigt, Taufe, Copulation [Hochzeit] und Catechismuslehre verrichtet“ wurde. Um die Kirche so weit zu erhalten, hatte die Kirchengemeinde 1 Vorling (1/2 Morgen) Kirchenland bis zur Wiedereinlösung versetzen müssen. Damit konnte die Gemeinde zumindest ein neues Dach, vielleicht auch nur einen Teil des Daches finanzieren.

Aktuelles Bild der Michaeliskirche in Groß Schneen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Die Michaeliskirche heute. Foto: Jan Stubenitzky 2011 (CC BY-SA 3.0)

1698 versprach die Gemeinde Hilfe beim Wiederaufbau von Schiff und Turm. Die Gemeindemitglieder halfen mit Baumaterial, Hand- und Spanndiensten. Der Wiederaufbau begann 1701. Die Mauern der vorhandenen Kirchenreste wurden abgebrochen, die Steine jedoch für den Neubau mit sechseckigem Grundriss wieder verwendet.
Der Gottesdienst wurde während der Bauzeit in der kleinen Oberkirche St. Nikolai abgehalten. Am Michaelistag, also am 29. September 1705, konnte die Kirche als Michaeliskirche wieder eingeweiht werden.

Noch heute wird im September die Groß Schneer Kirmes – das Kirchweihfest-„Use Kermesse“ gefeiert. Allerdings nicht am Michaelistag sondern immer am 2. Septemberwochenende.
2018 findet die 314. Kirmes vom 7. – 10. September statt.

Text: Gudrun Blank-Vollmer

 

Die Kirchenfenster der historischen Sammlung Groß Schneen – Teil 1

Seit Juni 2017 präsentiert der Heimatverein Groß Schneen zwei restaurierte Kirchenfenster in seiner Sammlung. Die Fenster stammen aus zwei verschiedenen Groß Schneer Kirchen. Bei dem einen Fenster handelt es sich um ein Buntglasfenster aus dem Jahr 1934 der sogenannten „Unterkirche“ St. Michaelis. Das andere ist ein handbemaltes Fenster von 1894, das aus der „Oberkirche“ St. Nikolai stammt. St. Nikolai wurde 1971 abgerissen.

Teil 1: Zwei Kirchen in Groß Schneen

Groß Schneen ist eine der ältesten Siedlungen im Leinetal, belegt durch Funde aus der Jungsteinzeit. Die urkundliche Ersterwähnung des Ortes „Snen“ ist im Urkundenbuch des Hochstiftes Hildesheim für das Jahr 1022 dokumentiert. Noch heute spricht man in der Ortschaft von Ober- und Unterdorf, denn bis Ende des 18. Jahrhunderts bestand Groß Schneen aus zwei selbstständigen Gemeinden mit jeweils eigenem Dorfvorsteher, Bauermeister oder Schulze genannt, eigener Kirche und eigener Gerichtsbarkeit. Der Grund waren unterschiedliche Grundbesitzer.

Das größere Unterdorf westlich der alten Heerstraße gelegen, gehörte zum Amt Friedland, Träger der lokalen Verwaltung und der Gerichtsbarkeit. Eigentümer des Unterdorfs und auch Patron der Unterkirche St. Michaelis war der jeweilige Landesherr. Das Unterdorf hatte für das Amt Friedland Abgaben und Zinsen zu erbringen. Das Oberdorf stand im Besitz wechselnder Adelsgeschlechter, die ihr eigenes Patrimonialgericht ausübten. Das Patronat der Oberkirche St. Nikolai hatte der jeweilige Besitzer des Gutes inne.

Bis in das 15. Jahrhundert hinein amtierten zwei Pfarrer in Groß Schneen, in den bereits 1262 erwähnten zwei Kirchen. Danach wurden die beiden Pfarrgemeinden nur noch von einem Geistlichen betreut. Die Zusammenlegung der Kirchengemeinden erfolgte endgültig 1816.
Die Vereinigung der Ortschaften geschah sogar bereits Ende des 18. Jahrhunderts. Der letzte Bürgermeister des Oberdorfs war Joh. Wilh. Kolle 1787. Eine einheitliche Gerichtsbarkeit entstand 1839 durch den Verzicht der Adligen aus dem Oberdorf auf ihre Patrimonialgerichtsbarkeit.

Seit 1973 gehört Groß Schneen zur Gemeinde Friedland. Die Ortschaft mit ca. 1600 Einwohnern ist der Sitz der Gemeindeverwaltung.

Text: Gudrun Blank-Vollmer

 

Aus dem Corpus bonorum 1853 von Pastor Schramm:

„Die Kirche mit dem ganzen Oberdorfe, welches aus 14 Häusern besteht, hat in uralten Zeiten weiter nach dem Holze zu gestanden […]. Dieses Dorf hat auch früher seinen eigenen Pastor gehabt […]. Das Dorf soll mehrfach abgebrannt und die Bewohner sollen dadurch bewogen sein, sich an Großenschneen anzubauen […]. So entstand Oberdorf und Unterdorf, welche bis auf die neuesten Zeiten jedes seinen Schulzen und seine Kirche, aber […] nur einen Pastor hatte, welcher auf der Pfarre im Unterdorfe wohnte und das Pfarrland bei der oberen Kirche […] zur Nutzung erhielt. Da unter den 14 Häusern des Oberdorfes keine Pfarre und kein Schulhaus ist, so wird bei der Verlegung des Oberdorfes an das Unterdorf die kirchl. Vereinigung stattgefunden haben.“

 

Fossilien und Vereinsarbeit – Tongrube Willershausen

Das Geländer der Tongrube Willershausen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Das Gelände der Tongrube aus der Luft. Foto: H. U. Wiese
Vom Urzeitsee zur Tongrube

Kennen Sie Willershausen? Nein? Dabei ist das ehemalige Ziegeleidorf mit 500 Einwohnern doch weltberühmt! Unter Geowissenschaftlern gilt die Fossillagerstätte in der Tongrube nämlich als einzigartig gut erhaltenes Zeugnis eines 3 Millionen Jahre alten Ökosystems.

Wo heute die Überreste der Tongrube liegen, befand sich damals ein kleiner See. Über 500 verschiedene Arten von Tieren und Pflanzen lebten um ihn herum. Aufgrund der speziellen sauerstoffarmen und sulfatreichen Bedingungen am Grund des Sees wurde alles, was in den See fiel, konserviert. Durch den kurz darauf einsetzenden Klimawandel während der Eiszeit veränderte sich das Ökosystem radikal. Der See verschwand. Zurück blieben unzählige in der Erde eingeschlossene Tiere und Pflanzenteile – und der Ton, den Menschen Millionen Jahre später als Rohstoff abbauten.

Die erste bekannte Erwähnung des Tonabbaus in Willershausen stammt aus dem Jahr 1595. Man kann aber davon ausgehen, dass hier auch schon vorher Ton abgebaut wurde. Der Tonabbau wurde 1977 eingestellt. Dem Dorf sieht man bis heute an, dass hier Ton abgebaut und Ziegel gebrannt wurden: Während in den meisten Dörfern der Region Fachwerkbauten in der Überzahl sind, sieht man in Willershausen auffällig viele Backsteingebäude.

Forschung und Fossilien

In den Fokus der Wissenschaft kam die Tongrube in Willershausen erstmals zu Beginn des 20. Jahrhundert. Hugo Wegel von der Universität Göttingen beschäftigte sich in seiner Dissertation intensiv mit den Fossilien aus der Tongrube. Er fiel jedoch 1914 im ersten Weltkrieg. Im Laufe der 1920er Jahre entdeckte Prof. Hermann Schmidt das Thema wieder und forschte seitdem an und in der Tongrube. Sein Schüler Adolf Straus führte seine Arbeit über Jahrzehnte fort.

Künstlerische Darstellung eines Mastodons von Heinrich Harder, ca. 1920
So stellte sich der Künstler Heinrich Harder um 1920 ein Mastodon vor. Foto

Zu den spektakulärsten Funden aus dieser Zeit gehören Teile eines Mastodons, eines elefantenartigen Tieres. Unter den mehr als 60.000 weiteren Funden befindet sich unter anderem Waldmäuse, Riesensalamander und Insekten sowie unzählige Blätter und andere Pflanzenteile, deren Aderung und Farbe sogar häufig noch erkennbar ist. Aus der Vielzahl der Funde ergibt sich ein sehr genaues Bild des Ökosystems vor 3 Millionen Jahren.

 

Fossile Vogelfeder – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Fossile Vogelfeder im Fossilienzimmer. Foto: C. Kalla 2017

Aber die Fossile ermöglichen nicht nur einen Blick in die Vergangenheit, sondern bis zu einem gewissen Grad auch in die Zukunft. Durch den aktuellen Klimawandel nähert sich das Klima wieder dem vor 3 Millionen Jahren an. Viele der Pflanzen- und Tierarten, die in der Tongrube konserviert wurden, aber seit der Eiszeit nicht mehr in Europa zu finden sind, könnten sich bei zunehmender Erderwärmung wieder dort ansiedeln.

 

 

Schwefelpurpurbakterien in einer Winogradskysäule
Schwefelpurpurbakterien in einer Winogradskysäule. Foto

Neueste Forschungen des Teams um Prof. Joachim Reitner vom Geowissenschaftlichen Institut der Universität Göttingen haben außerdem gezeigt, dass sich aus hydrogeologischer Sicht bis heute nichts an der Tongrube geändert hat. Das bedeutet, dass das Wasser in den Tümpeln, die heute über das Gelände verteilt sind, die gleichen Salze, Mineralien und Mikroorganismen enthält, wie der See, der dort vor 3 Millionen Jahre lag. Sichtbares – und riechbares – Zeichen dieser sauerstoffarmen Zusammensetzung sind die Schwefelpurpurbakterien. Sie sind sowohl für den schwefeligen Geruch als auch für den rosa Schimmer der Tümpel verantwortlich.

 

Weg zur Tongrube mit Infotafeln. – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Weg zur Tongrube mit Infotafeln. Foto: Heimatverein Willershausen e.V.
Durch Vereinsarbeit wiederbelebt

Der Tonabbau in Willershausen wurde Mitte der 1970er Jahre eingestellt. Seit 1977 gehört das Gebiet der Tongrube dem Landkreises Northeim. Es ist seitdem auch als Naturdenkmal geschützt, wurde aber lange Jahre nicht gepflegt. Erst vor etwa 10 Jahre begann der Heimatverein Willershausen e.V. sich intensiv um die Tongrube zu bemühen.

Vortragsveranstaltung am 4.2.2018
Vortragsveranstaltung am 4.2.2018. Foto: Heimatverein Willershausen e.V.

Nachdem es jahrzehntelang kaum zugänglich war, machten die Vereinsmitglieder das Gelände wieder begehbar und pflegen es bis heute. Seit 2012 ist die Tongrube sogar Geopunkt im Geopark Harz-Braunschweiger Land-Ostfalen. Der Heimatverein bietet regelmäßige Führungen über das Gelände an, stellt Fossilien aus und organisiert Veranstaltungen rund um die Tongrube. Zuletzt kamen im Februar über 200 Besucher in die Auetalhalle, um alles über die Geschichte der Tongrube, besondere Fossilien aus der Sammlung Kappen und die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse anzuhören.

Auch für die Zukunft ist der Verein voller Pläne: Beweidung könnte den Wildwuchs in der Tongrube bändigen helfen und ein Tongrubenhaus für die Unterbringung der Ausstellung und Gerätschaften mit Besucherraum, WCs und Parkplätzen soll gebaut werden. Außerdem möchte der Verein die Zusammenarbeit mit anderen Sehenswürdigkeiten in der Region wie der Römerschlacht am Harzhorn und dem Portal zur Geschichte weiter stärken.

Lebendiger Adventskalender in Wulften

Lebendiger Adventskalener Wulften 2017 – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Elfriede Jork
Das Dorf als Adventskalender

Wie jedes Jahr verwandelte sich Wulften auch 2017 in einen „Lebendigen Adventskalender“. Vom 1. bis zum 4. Advent versammelten sich täglich viele Dorfbewohner für eine halbe Stunde, um sich gemeinsam auf den Advent zu besinnen. Jeden Tag öffnete ein anderes Haus seine Tür.

Gedichte und Geschichten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Elfriede Jork

Am 21.12. fand die tägliche kleine Feierstunde mit rund 70 Gästen beim Heimat- und Geschichtsverein in Hermanns Scheune statt. Dort wurden Gedichte und Geschichten vorgetragen. Schließlich verteilten die Vereinsmitglieder Kerzen an die Teilnehmer und alle sangen zum Abschluss „Tragt in die Welt nun ein Licht“.
Für alle, die Lust hatten, gab es anschließend Glühwein, Apfelpunsch und selbst gebackene Plätzchen.

Tragt in die Welt nun ein Licht... – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Elfriede Jork

Sterne-Gefunkel 2017

Eine stimmungsvolle Weihnachtszeit …

… wurde mit dem Sterne-Gefunkel auf dem Meierhof eingeläutet. Weihnachtliche Musik vom Posaunenchor Hattorf und der Kinder-Keybordgruppe der Kreismusikschule brachte ein wunderschönes Flair auf den Hof und in die Scheune. Rechtzeitig zum Sterne-Gefunkel tat auch der Wettergott sein Bestes, um weihnachtliche Stimmung aufkommen zu lassen. Die Düfte von Punsch und Stollen sowie die einzigartigen Ausstellungstücke der Hobbykünstler trugen ebenfalls einiges dazu bei. Auf dem kleinen Weihnachtsmarkt wurden Würstchen gegrillt, Punsch, Stollen, Eisenkuchen und leckeren selbst gemachten Gelees, Liköre und verschiedenes Eingemachtes angeboten. Alles hatten die Frauen des Vereins vorher in liebevoller Arbeit traditionell hergestellt. Und so waren wieder einmal viele fleißige Helfer im Einsatz, die nicht nur Hattorfer sondern auch viele Gäste aus den umliegenden Gemeinden begrüßen konnten.

Auf den folgenden Fotos gibt es ein paar Impressionen zum Sterne-Gefunkel

Text und Bilder: Rainer Starfinger, Verein für Plattdeutsch und Dorfgeschichte Hattorf am Harz e.V.

Noch schnell ein individuelles Weihnachtsgeschenk?

Am Donnerstag, den 21. Dezember öffnet die Scheune auf dem Meierhof von 18 bis 19 Uhr ihre Tore!
Der Hattorfer Bildkalender 2018, Meierhof-Stollen und hausgemachte Leckereien stehen für das schnelle Weihnachtsgeschenk zur Auswahl. Der Vorstand wünscht ein schönes Weihnachtsfest!

Kürbisfest auf dem Meierhof

Männchen mit langer Nase aus zwei Kürbissen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Auch Kürbismännchen gab es zu bewundern. Foto: Bordfeld

Das alljährliche Herbstfest im Meierhof in Hattorf drehte sich in diesem September um den Kürbis. Aus der ganzen Umgebung kamen Jung und Alt auf den Meierhof. Hier konnten sie zahlreiche bunte Formen eines Gemüses bewundern, das Menschen schon seit Tausenden von Jahren kultivieren.

Kürbisse in allen Formen

Viele Besucher brachten ihre größten Kürbisse für den Kürbiswettbewerb mit. Der Gewinnerkürbis wog ganze 45kg! Aber auch kleine Zierkürbisse in allen Farben und Formen gab es zu entdecken. Die Nase des Kürbismännchens auf dem Bild ist ganz natürlich so gewachsen.
Doch auch beim Kürbis zählt nicht nur das makellose Äußere! Auch die inneren Werte des Gewächses konnten die Besucherinnen und Besucher kennenlernen. Denn auch die kulinarische Seite des Kürbisses kam mit vielen leckeren Gerichten und Getränken nicht zu kurz!

Erntedank und Evergreens
Das Team des Meierhof freut sich über die Erntedankkrone – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Das Team des Meierhof freut sich über die Erntedankkrone. Foto: Bordfeld

Auch über die Kürbisse hinaus war für herbstliche Stimmung gesorgt. Ulrike Meinecke und weitere Frauen des Landfrauenvereins Hattorf hatten extra für den Meierhof eine Erntedankkrone geflochten, die sie zum Kürbisfest überreichten.
Schließlich war auch die musikalische Untermalung ein voller Erfolg: Die Skiffleband Los Losers spielte eine bunte Mischung aus Evergreens und Überraschungen, die jeden mitriss.

Los Losers auf dem Meierhof – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Bordfeld

Erntedank in Wulften

Geschmückter Altar beim Erntedankgottesdienst in Wulften 2017 – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Elfriede Jork
Plattdeutsche Erntedankfeier in Wulften
Das Gottesdienstteam Erntedank 2017 in Wulften – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Das Team des plattdeutschen Gottesdienstes. Foto: Elfriede Jork

Jedes Jahr feiert Wulften das Erntedankfest mit plattdeutschem Gottesdienst, Kuchen, Musik und viel Spaß. Im Mittelpunkt stand in diesem Jahr der Psalmvers: „Aller Augen warten auf Dich, Herr, und Du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit“. Der Erntedankgottesdienst fand in Hermanns Scheune des Heimat- und Geschichtsvereins Wulften statt, die mit jung und alt voll besetzt war. Das Gottesdienstteam hatte sich viel Mühe gemacht, die Texte, in denen es um den Wert und das Warten auf Nahrung, ging ins Wulftener Platt zu übersetzen. Erntedank – das heißt nicht nur danken für eine gute Ernte, für gute Nahrung, für Gesundheit  und gute Freunde. Das heißt auch: Warten und Vertrauen auf alles, was noch kommt.

„Emma und Hermine“ zankten sich
"Emma" und "Hermine" streiten sich auf Wulfsch Platt – Heimat.Museum.Südniedersachsen
„Emma und Hermine“ bei ihrem plattdeutschen Sketch. Foto: Elfriede Jork

Nach dem Gottesdienst erhielten Irmgard Waßmann, Rosi Mutio und Elvira Schaper für die Mitgestaltung des Gottesdienstes ein kleines Geschenk mit einem herzlichen Dankeschön von Pastor Dr. Engelmann und Lektorin Doris Ebeling. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst von Martina und Hinrich Grünhagen, die fast bei allen Veranstaltungen in Hermanns Scheune zu erleben sind. Der Auftritt zweier Klatschtante bereitete ebenfalls viel Spaß. Irmgard Waßmann und Rosi Mutio stritten sich als Emma und Hermine zuerst heftig auf Wulfsch‘ Platt, vertrugen sich am Ende aber auch wieder.  Eine heitere Atmosphäre herrschte bis zum Schluss bei der Kaffeetafel mit leckeren selbstgebackenen Kuchen und Torten.

Text und Bilder: Elfriede Jork, Heimat- und Geschichtsverein Wulften

„Historisches Käsebrotessen“ in Rhüden

Harzer Rolle, Harzer Thekentaler, Korbkäse – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Verschiedene Sorten Käse aus dem Harz © Alice Wiegand / CC-BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Käsebrotessen 2017 – ein voller Erfolg!

Alljährlich laden die Natur- und Heimatfreunde Rhüden zum Historischen Käsebrotessen ins Rhüdener Hotel „Zum Rathaus“ ein. Auch in diesem Jahr folgten über 80 Gäste dieser Einladung. Bei Harzkäse, Schmalz, Gurke, Brot und guter Unterhaltung verlebten sie einige schöne Stunden.
Die Rolle des traditionellen Ausrufers hatte diese Jahr Marcus Ballay inne. Ausgestattet mit Klingel und Stock verlas er die aus dem Jahr 1810 stammenden Regularien des zünftigen Essens:

Alle Bauern, Knechte und übrigen Untertanen, die verpflichtet sind, Spann- und Handdienste zu leisten, erhalten von ihrer Herrschaft um die Mittagszeit ein Stück Brot, Käse und als Trunk ein Quartier Dünnbier. Branntwein soll nicht ausgeschenkt werden. Er würde nur zu Trunkenheit führen und große Arbeitsunlust hervorrufen. […]

Trunkene Untertanen, die pfeifen, trommeln oder gar laut unsittliche Lieder singen, wobei der Gottesdienst gestört wird, werden vom Amt unnachsichtig bestraft.

 

Historisches Käsebrotessen in Rhüden 2017 – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Historisches Käsebrotessen in Rhüden 2017. Foto: Volker Harenberg, Natur- und Heimatfreunde Rhüden

Es folgten plattdeutsche Geschichten, vorgetragen von Friedrich Niehoff und Heinrich Bothe von den „Plattdeutschen Pfrünnen“ aus Bockenem. Mit lustigen Sketcheinlagen rundeten Erika Blech und Margret Sansone das Begleitprogramm ab.

Käsebrotessen 1700-1850

Das Käsebrotessen in Rhüden hat eine lange Tradition. Seit ca. 1700 war es für die Bauern und Handwerker der Lohn für geleistete Arbeit. Auch als die Löhne zum Ende des 19. Jahrhundert stiegen, behielt man die Tradition bei, zum Ende des Kirchenjahres, also kurz vor dem 1. Advent, Käse, Schmalz und Dünnbier aufzutischen.

Alles Käse?!

Beim Käsebrotessen werden jedes Jahr Spezialitäten einer kleinen Handwerkskäserei in der Region verspeist. Wussten Sie, dass Harzkäse und Harzer Käse zwei unterschiedliche Käsesorten sind? Im Gegensatz zum Harzer wird Harzkäse, auch Zellerfelder Bergkäse genannt, ausschließlich im Harz hergestellt. In Supermarktregalen ist er nur selten zu finden. Harzer Käse basiert auf Quark aus Sauermilch, während Harzkäse ein Süßmilchkäse ist!

Harzkäse-Zange © Museumshof „Ernst Koch“ CC BY-NC-SA (via museum-digital.de)

Lieblingsobjekte: Flügelhaube in Elbingerode

Manche Objekte haben etwas Besonders an sich: Vielleicht sind sie besonders schön oder sie haben eine besondere Geschichte – oder sie gefallen „einfach so“. In der Kategorie „Lieblingsobjekte“ stellen wir solche Stücke vor.

 

Flügelhaube in der Heimatstube Elbingerode – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla
Heimatstube Elbingerode

Die Heimatstube in Elbingerode (Niedersachsen) – nicht zu verwechseln mit Elbingerode (Harz)! – ist eines der kleinsten Heimatmuseen, die in diesem Blog vertreten sind. Die Sammlung besteht überwiegend aus Fotos aus der Dorfgeschichte und einigen historischen Alltagsgegenständen und kleinen Geräten. Aber die Heimatstube hat auch einige besonders gut erhaltene textile Objekte zu bieten. So sind zum Beispiel mehrere Festtags- und Alltagskleider aus der Zeit um 1900 zu bewundern. Auch diese unscheinbar wirkende Flügelhaube gehört dazu.

Flügelhaube? Schlunderhut, Holländer, Helgoländer, … !

Solche Hauben waren unter vielen verschiedenen Namen in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Von etwa 1870 bis in die 1950er Jahre hinein dienten sie den Frauen als Staub- und Sonnenschutz bei der Feldarbeit. Typischerweise sehen diese Hauben um den Kopf herum ähnlich wie ein Verdeck aus: Durch die gebogenen Stäbchen halten sie ihre Form und lassen sich mehr oder weniger weit ins Gesicht ziehen. Hinten und an den Seiten sind Stoffteile angebracht, die über Schultern und Nacken fallen. Sehr häufig sind die Hauben aus recht festem weißen Baumwollstoff mit einem Muster aus blauen Sternchen, Blüten oder Punkten.
Im Museum Europäischer Kulturen in Berlin findet sich zum Beispiel ein Exemplar aus Westfalen, dass der Elbingeröder Haube sehr ähnlich ist:

Flügelhaube aus der Sammlung Museum Europäischer Kulturen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz ((CC)BY-NC-SA 3.0 Deutschland)

Solche Hauben waren nicht als modisches Accessoire oder Teil einer Tracht gedacht, sondern dienten nur als Arbeitsschutz. Viele Exemplare waren deshalb bereits verschossen und verschlissen, als sie ihren Weg in Museumssammlungen fanden. Die Haube in Elbingerode wirkt jedoch fast wie neu. Der Stoff hat keine Löcher und ist fast nicht vergilbt. Wahrscheinlich wurde diese Haube also nur wenige Male getragen. Man kann deshalb die Vermutung aufstellen, dass sie eher aus der Mitte des 20. Jahrhunderts stammt, als die Arbeit ihrer Besitzerin zunehmend von Maschinen übernommen wurde. Vielleicht wohnt ja in Elbingerode noch jemand, der mehr weiß?

(Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen)

Auswärtsspiel: Heimatstube Exten

Heimatmuseen gibt es überall in Deutschland. Und überall zeigen sie, was ihre „Heimat“ besonders macht. Dafür findet jedes einen anderen Weg. Deshalb können sie auch für uns in Südniedersachsen Inspiration sein. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Reihe „Auswärtsspiel“ mit den Heimatmuseen außerhalb unserer Region.

Eingangstür der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel
Von der Heimatstube zum „Museum für Dorfkultur“

Die Heimatstube Exten wurde 1973 gegründet. Bis heute befindet sie sich in der ehemaligen Dorfschule. Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung auf über 2000 Objekte. Wie in vielen kleinen Museen platzten die Räume bald aus allen Nähten. Auch die Besucherzahlen nahmen immer weiter ab.
Doch die Heimatstube schaffte es, sich zu erneuern: Eine junge Extenerin studierte in Oldenburg im Masterstudiengang „Museum und Ausstellung“. Gemeinsam mit ihr und ihren Kommilitoninnen konnte der Heimatverein Exten seine Heimatstube von 2010 – 2014 neu aufstellen. Das neue „Museum für Dorfkultur“ wirkt hell und modern – und hat doch nichts vom Charme einer Heimatstube verloren.

Das Dorfleben in Exten in all seinen Aspekten darstellen

Die Hauptaspekte der neuen Dauerausstellung sind: Eine klare thematische Gliederung, eine durchgängiges Farbkonzept und eine Beschränkung der ausgestellten Objekte.

Schultafel im Heimatmuseum Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla
Leben – Arbeiten – Entdecken

Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche gegliedert. Die einzelnen Themen sind durch Schlagworte an den Wänden gekennzeichnet. Im Bild oben sieht man den Bereich „aufwachsen“. Hier wird eine Schulbank mit Schreibutensilien ebenso ausgestellt wie die Schultafel, die an ihrem angestammten Platz in dem ehemaligen Klassenraum hängt. Auch Spielzeug, z.B. ein Schlitten gehört in diesen Bereich. Zu den weiteren Bereichen gehören unter anderem:

Die Ausstellung zur Korbmacherei in der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel

„arbeiten“  –

Noch vor 100 Jahren war die Korbflechterei eine der wichtigsten Einnahmequellen in Exten. Entsprechend ist ihr eine große Ecke in diesem Themenbereich gewidmet. Aber auch viele andere traditionelle und modernere Berufe, von der Heimspinnerin zum Arbeiter in der Getränkefabrik, finden ihren Platz an der Wand gegenüber der Tafel.

 

 

Die museumspädagogische Station in der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel

„entdecken“ –

Ein besonderer Bereich ist dieser unscheinbare Schreibtisch. Mithilfe dieser Station können Kinder das Museum für sich entdecken. In einem Heft bekommen sie Rätsel und Aufgaben gestellt. Um diese „Forschungsprojekte“ durchzuführen, finden sich in den gelben Kisten Materialien. Die Kinder finden dort zum Beispiel Papier, um der Heimatstube auf der alten Schreibmaschine einen Brief zu schreiben.

Der gelbe Rahmen

Überall in der Ausstellung findet sich das leuchtende Gelb als Markenzeichen der Heimatstube wieder. Es sieht aber nicht nur schön aus, sondern erfüllt auch eine Funktion. Die auffälligen Markierungen lassen die Besucherinnen und Besuchern darüber reflektieren, dass sie nicht „das echte vergangene Dorfleben“ sehen, sondern eine Interpretation dieser Vergangenheit. Der Rahmen auf der Schultafel erinnert beispielsweise daran, dass sie eben keine Schultafel in einer Schule mehr ist, sondern ein Museumsobjekt in einer Ausstellung.

Der PC um auf die Museumsdatenbank zuzugreifen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla

Weniger ist mehr
Von den ca. 2000 Objekten der Sammlung werden im Augenblick nur noch einige hundert ausgestellt. Viele sehr ähnliche oder doppelte Objekte lagern nun in einem kleinen Depot. So können die Schmuckstücke der Sammlung in der Ausstellung zur Geltung kommen. Trotzdem sind die ausgelagerten Gegenstände Teil der Ausstellung. Per Computer können die Besucherinnen und Besucher nämlich auf das Inventar des Museums zugreifen. Auf diese Weise stehen ihnen alle 2000 Objekte zur Verfügung.

Sie möchten das Museum für Dorfkultur mit eigenen Augen sehen?

Heimatstube Exten – museum für Dorfkultur
Am Anger 2
31737 Rinteln-Exten

Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 10:00 – 12:00 Uhr und nach Vereinbarung
Webseite

Informationen, Adressen und Öffnungszeiten zu den südniedersächsischen Museen, die in diesem Blog vertreten sind, finden Sie hier.

Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen