Nachts im Museum

Unter dem Motto „Nachts im Museum“ luden die Natur- und Heimatfreunde Rhüden in ihrem Heimatmuseum erstmalig zu ihrer neuen Veranstaltungsreihe ein. Über 60 Gäste erfreuten sich an einer Weinverköstigung mit einem kleinen Imbiss. In einem unterhaltsamen und spannenden Vortrag stellte Dr. Thomas Dahms seinen neuen Geschichtscomic „Hickhack um die Harzburg – König Heinrichzwischen Sachsenkrieg und dem Gang nach Canossa“vor.

Die Gäste lauschen gebannt dem Vortrag von Dr. Thomas Dahms (vorne) und genießen Wein und Häppchen.
Die Gäste lauschen gebannt dem Vortrag von Dr. Thomas Dahms (vorne) und genießen Wein und Häppchen. Foto: Natur- und Heimatfreund Rhüden e.V. 2018. 

Im Vorfeld und im Anschluss konnten die Gäste zur gemütlichen abendlichen Stunde durch alle 8 Museumsräume streifen, um über steinzeitliche Funde bis zum neuzeitlichen Kalibergbau Neues und Altes über Rhüden zu erfahren.

Alles in allem war „Nachts im Museum“ ein voller Erfolg, der hoffentlich in Zukunft wiederholt werden kann!

Coverbild des Geschichtscomics "Hickhack um die Harzburg" von Thomas Dahms und Karsten Mentzendorff.
Thomas Dahms/Karsten Mentzendorff: 
Hickhack um die Harzburg. König Heinrich IV zwischen Sachsenkrieg und dem Gang nach Canossa. Ostfalia-Verlag 2018. ISBN 978-3-96226-000-2. Bild: Ostfalia-Verlag.


Kartoffelfest in Wulften

Die Organisatorinnen des Erntedankgottesdienstes 2018
Elvira Schaper, Rosi Mutio, Irmgard Waßmann und Doris Ebeling. Foto: Heimat- und Geschichtsverein Wulften 2018.

Rein in die Kartoffeln…

Pflanzen, Wachsen und Ernten von Kartoffeln stand im Mittelpunkt des diesjährigen plattdeutschen Erntedank-Gottesdienstes in Wulften. Der Heimat- und Geschichtsverein und die Kirchengemeinde hatten zum Kartoffelfest mit Erntedankgottesdienst in Hermanns Scheune eingeladen. Lektorin Doris Ebeling und ihrem plattdeutschen Team mit Irmgard Waßmann, Elvira Schaper und Rosi Mutio haben den Gottesdienst gestaltet.

Bei herrlich sonnigem Herbstwetter kamen zahlreiche Besucher, um Dank zu sagen für alle guten Früchte in unseren Gärten und Feldern. Zum Mittagessen freuten sich alle über Kartoffen in den unterschiedlichsten Formen: Als leckere Kartoffelsuppe, als Kartoffelsalat nach Familienrezept und für die Kinder als Pommes Frites.

Kindergartenkinder im Mittelpunkt

Die Kinder des Wulftener „Regenbogen-Kindergartens“ waren am Nachmittag die Hauptakteure. Sie haben sich bereits seit dem Frühjahr mit Kartoffeln beschäftigt. Rosi Mution vom Heimat- und Geschichtsverein hat jede Woche den Kindergarten besucht und mit den Kindern zahlreiche Aktionen rund um die „Kartuffel“, wie die Kartoffel im Wulftener Platt heißt, veranstaltet: So pflanzten die Kinder gemeinsam Elvira Schaper (ebenfalls vom Heimat- und Geschichtsverein) Kartoffeln, pflegten sie den Sommer über und rodeten sie im September. Außerdem stellten sie Marmelade her, bedruckten Deckchen mit fantasievollen Kartoffelstempeln, verzierten Karten und Windlichter mit Blüten und mehr. Beim Fest verkauften die Kinder ihre Werke nun mit großer Begeisterung und gebührender Ernsthaftigkeit.

Die Kinder des Regenbogen-Kindergartens singen ein plattdeutsches Kartoffellied. Foto: Heimat- und Geschichtsverein Wulften 2018.

Viel Spaß hatten sie auch beim Wettlauf mit Kochlöffel und Kartoffel. Nach einem plattdeutschen „Kartoffellied“, das ebenfalls die Kinder des Kindergartens vortrugen, und einer plattdeutschen Geschichte, vorgelesen von Rosi Mutio, wurde schließlich der Kartoffelkönig gekrönt: Dafür hatten alle Kinder eine schöne große Kartoffel mitgebracht. „Kartoffelkönig“ wurde Tom, seine Kartoffel war die größte und wog 540 Gramm. Große und kleine Besucher hatten gemeinsam viel Freude und nach Kaffee und Kuchen klang der Erntedanktag in Hermanns Scheune aus.

Text: Elfriede Jork, Wulften

Tag des offenen Denkmals und Herbstmarkt in Adelebsen

Dieser Eintrag erschien zuerst am 12.9.2018 auf der Seite des Steinarbeitermuseums Adelebsen unter https://steinarbeitermuseum.de/2018/09/12/tag-des-offenen-denkmals-und-herbstmarkt/

Herbstmarkt in Adelebsen am Tag des offenen Denkmals 2018
Herbstmarkt in Adelebsen am Tag des offenen Denkmals 2018. Foto: Museum für Steinarbeit – Verein für ländliches Alltagsleben e.V. 2018.


Auch dieses Jahr hat der Museumsverein [Museum für Steinarbeit – Verein für ländliches Alltagsleben e.V., Anm. d. Red.] wieder mit einer Veranstaltung am Tag des offenen Denkmals am 9. September teilgenommen. Das Museum befindet sich in einem 1844 erbauten Fachwerkgebäude, welches bis 1957 als Schule mit Lehrerwohnung genutzt wurde und heute unter Denkmalschutz steht.
In Verbindung mit der benachbarten St. Martini-Kirche und dem Schloss mit Bergfried waren 3 historische Orte an diesem Tag zugänglich.
Am Museum wurde zusätzlich ein Herbstmarkt angeboten, den die Besucher für einen kleinen Bummel oder auch eine Ruhepause nutzen konnten. Es gab Selbstgemachtes, Eingemachtes, Herzhaftes, Kaffee und Kuchen. Aussteller und Hobbykünstler boten ihre Produkte zum Thema „Herbst“ und „Erntedank“ an.

Das spätsommerliche Wetter führte dazu, dass zahlreiche Besucher ihren Weg nach Adelebsen fanden. Auf dem Herbstmarkt gab es ein vielfältiges Angebot. Dieses ging von selbst gestrickten Strümpfen und neuem aus Weißwäsche über Basteleien und Fruchtaufstrichen bis hin zu selbst gemachten Metallkunstwerken, sowie Mode- und Silberschmuck.

Im Museum führte Hartmut Koch durch die Ausstellung „Fernmeldetechnik früher“, welche in den letzten Wochen noch durch 2 Fernschreiber ergänzt wurde. In dieser Ausstellung hatten insbesondere jugendliche Besucher viel Spaß. Die Nutzung einer Wählscheibe war für viele Kinder ein Erlebnis. Diverse Telefone sind miteinander verbunden und man kann sich gegenseitig über verschiedene Geräte aus DDR- und BRD-Produktion anrufen.

Fotos: Museum für Steinarbeit – Verein für ländliches Alltagsleben e.V. 2018.

Falls jemand nach dem reichhaltigen Angebot eine kurze Pause brauchte, hatte die Mannschaft des Museumsvereins gut vorgesorgt. Am Grill gab es Geschnetzeltes, Rippchen und Haxe und am Kuchenstand selbstgebackenen Kuchen.

Text: Gerhard Elsner, Adelebsen.

Lieblingsobjekte: Barttasse im Keramik.um

Manche Objekte haben etwas Besonders an sich: Vielleicht sind sie besonders schön oder sie haben eine besondere Geschichte – oder sie gefallen „einfach so“. In der Kategorie „Lieblingsobjekte“ stellen wir solche Stücke vor.

Um Deinen schönen Bart zu schonen, wird sich Gebrauch der Tasse lohnen.“ Barttasse, um 1900, im Keramik.um in Fredelsloh. Foto: C. Ewald 2018.

Was haben schusssichere Westen, Sonnencreme und Barttassen gemeinsam?

Das Keramik.um im Töpferdorf Fredelsloh zeigt seit 2011 die Geschichte der lokalen Töpferkultur. Auch sonst lässt sich hier „alles“ über Keramik erfahren: Wie sehen die ersten Keramiken der Menschheit aus? Was genau ist eigentlich Porzellan? Und wie war das nochmal mit den Westen und der Sonnencreme?

In vielen modernen Schutzwesten ist Keramik gleich zweifach verarbeitet: Als Platten aus Oxidkeramik und als Nanopartikel, die die textilen Teile haltbarer machen. Diese Titandioxid Partikel finden sich auch in mineralischen Sonnencremes, denn sie reflektieren UV Licht und schützen so Haut und Kevlar vor der Sonne. Und Barttassen … sind natürlich aus Keramik, meist sogar aus Porzellan

Vom Luxus zur Massenware


Uhrgehäuse aus der Porzellanmanufaktur Fürstenberg, um 1760. Foto: Tilmann Franzen, Museum Schloss Fürstenberg (CC-BY 4.0).

Porzellan ist eine Keramiksorte aus Kaolin, Quarz und Feldspat. Erfunden wurde es vor ca. 1500 Jahren in China. In Europa gelang es dagegen erst vor etwa 300 Jahren, echtes Porzellan zu fertigen. Nach diesem Durchbruch 1708/1709 gründeten sich bald unzählige Porzellanmanufakturen, die für den reichen Adel Geschirr und Ziergegenstände herstellten.

Für die meisten Menschen blieb echtes Porzellan jedoch lange unerschwinglich. Als Ende des 18. Jahrhunderts das Bürgertum erstarkte, zog das edle Material nach und nach auch in bürgerliche Haushalte ein. Mit zunehmender Industrialisierung wurde es immer alltäglicher. Neue Formen entstanden, die den Moden und dem Lebensstil der Bürger entsprachen. Dazu gehörten auch kuriose Erfindungen wie die Barttasse

Bürger und Bärte

Werbeanzeige für die Es ist erreicht-Bartwichse vom Hof-Friseur François Haby. Aus „Lustige Blätter“, 15/1900. Gemeinfrei.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts trugen nur wenige Bürger Bart. Wer es tat, gab damit eher ein politisches als ein modisches Statement ab. Doch um 1850 änderte sich das: Bart war jetzt modern und kaum ein Mann  blieb glattrasiert.

Ebenso wie viele andere Modeerscheinungen entwickelte auch die Bartmode die kühnsten Auswüchse. Bärte wurden in die ausgefallensten Formen gebracht: Gekämmt und gezwirbelt, mit Öl und Barttoniken behandelt, mit Wachs in Form gebracht und mit speziellen Bartschonern in der Nacht vor dem Zerzausen geschützt.

Auch tagsüber musste der modebewusste Bartträger aufpassen, dass sein Bart in Form blieb. Besonders beim Trinken heißer Getränke war das schwierig. Dampf und Nässe lösten das Bartwachs auf und zerstörten die sorgsam geformten „Kunstwerke“. Außerdem dürfte die Bartwichse den Geschmack des Tees oder Kaffees nicht verbessert haben

Die Barttasse

Doch dann entdeckte der britische Porzellanfabrikant Harvey Adams die Lösung. Er erfand Tassen mit einem kleinen Steg her, der den Bart vor Kontakt mit dem Getränk schützte. Die Barttasse verbreitete sich schnell in Europa und Amerika. Selbst altehrwürdige Porzellanmanufakturen wie Meißen stellten sie her.

Wirklich kostbare Barttassen waren jedoch eher die Ausnahme. Sie waren  nie Teil edler Tee- oder Kaffeeservice. Auch die Tasse im Keramik.um ist ein eher günstiges, industriell gefertigtes Modell, das sich um 1900 viele Menschen leisten konnten. Wie diese waren viele Barttassen mit kleinen Reimen und Sprüchen verziert. (Unten sieht man sogar ein Beispiel auf norwegisch.) Auch das weist darauf hin, dass es sich eher um schöne, ein wenig augenzwinkernde Geschenkartikel handelte.

Oben: Barttasse, Tirschenreuth um 1880, Aufglasurbemalung mit Goldstaffagen, um 1880. Foto: Richard Huber 2015. CC-BY-SA 4.0.; Barttasse mit Aufschrift, ca. 1908, Norwegisches Volksmuseum. Foto: Anne-Lise Reinsfelt, Norsk Folkemuseum 2000. CC-BY-SA 4.0.; Unten: Barttasse. Foto: Kreismuseum Bitterfeld. CC-BY-NC-SA 3.0.  Diverse Barttassen, Mariage Frères Teemuseum. Foto: David Loong 2006. CC-BY-SA 2.0.

Die extravagante Bartmode hielt sich noch in den frühen 1900er Jahre, wurde aber nach und nach immer schlichter. Nach dem ersten Weltkrieg trug kaum noch jemand Bart. Die elegant geformten Bärte, die durch Barttassen geschützt werden sollten, verschwanden weitgehend und mit ihnen die Barttassen. Doch in der Mode kommt alles wieder: mit dem aktuellen Trend zum „gepflegten Vollbart“ ist mit Bartöl und Bartwachs auch die Barttasse zurückgekehrt.

Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen

Die Kirchenfenster der historischen Sammlung Groß Schneen – Teil 5

Seit Juni 2017 präsentiert der Heimatverein Groß Schneen zwei restaurierte Kirchenfenster in seiner Sammlung. Die Fenster stammen aus zwei verschiedenen Groß Schneer Kirchen. Bei dem einen Fenster handelt es sich um ein Buntglasfenster aus dem Jahr 1934 der sogenannten „Unterkirche“ St. Michaelis. Das andere ist ein handbemaltes Fenster von 1894, das aus der „Oberkirche“ St. Nikolai stammt. St. Nikolai wurde 1971 abgerissen.

Teil 5: Was blieb? – Das Glasmalereifenster von St. Nikolai heute.

Viele der liturgische Gegenstände und der Einrichtung von St. Nikolai fanden bald eine neue Heimat und werden bis heute genutzt. Doch das Glasmalereifenster von 1893 war fast vergessen Dann nahm der Heimatverein Groß Schneen sich seiner an und ließ es restaurieren.

Das handgemalte Fenster besteht aus vier Feldern. Diese sind mit einem floralen Muster flächig bemalt. Das Blumenmuster wird von einer Reihe von Zierstreifen, sogenannten Friesen eingerahmt. Der äußerste Streifen, der in der Kirche zum Teil von Putz verdeckt war, ist ganz besonders: Er wurde Bruchstücken und Resten anderer Fenster zusammengesetzt, die zum Teil sehr viel älter sind, als das eigentliche Fenster.

Ausschnitt aus dem Glasmalereifenster.
Der äußerste Rand des Fensters (links) ist aus Resten anderer Fenster zusammengestückelt. Foto: Heimatverein Groß Schnee e.V.

Als es vor einigen Jahren wiedergefunden wurde, war der Zustand des Fensters zu schlecht, um es ausstellen zu können. Deshalb waren umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig, bevor das Fenster seinen Platz in der Historischen Sammlung einnehmen konnte:

  • Ersatz zerstörter und fehlender Einzelgläser 
  • Kleben gesprungenen Gläser
  • Löten gebrochener Bleie und Lötstellen
  • Erneuerung bzw. Neuverbleiung der Randbleie
  • Verstreichen mit zähflüssigem Leinölfirnis und Abreinigung mit Sägespänen und Schlämmkreide
  • Auflötung von Kupferhaften zur Befestigung der Windeisen
  • Herstellung eines Eisenrahmens aus Profilen mit oberen Stichbogen und drei Sturmeiseneinteilungen mit Deckschienen
Beide Kirchenfenster, Orgelpfeifen und die Kirchturmspitze von St. Nikolai in der Historischen Sammlung. Foto: Heimatverein Groß Schnee e.V.

Nun erstrahlt das Fenster wieder in voller Pracht. Zusammen mit dem Fenster aus St. Michaelis bildet es das Highlight der Groß Schneer Historischen Sammlung.