„Historisches Käsebrotessen“ in Rhüden

Harzer Rolle, Harzer Thekentaler, Korbkäse – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Verschiedene Sorten Käse aus dem Harz © Alice Wiegand / CC-BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)
Käsebrotessen 2017 – ein voller Erfolg!

Alljährlich laden die Natur- und Heimatfreunde Rhüden zum Historischen Käsebrotessen ins Rhüdener Hotel „Zum Rathaus“ ein. Auch in diesem Jahr folgten über 80 Gäste dieser Einladung. Bei Harzkäse, Schmalz, Gurke, Brot und guter Unterhaltung verlebten sie einige schöne Stunden.
Die Rolle des traditionellen Ausrufers hatte diese Jahr Marcus Ballay inne. Ausgestattet mit Klingel und Stock verlas er die aus dem Jahr 1810 stammenden Regularien des zünftigen Essens:

Alle Bauern, Knechte und übrigen Untertanen, die verpflichtet sind, Spann- und Handdienste zu leisten, erhalten von ihrer Herrschaft um die Mittagszeit ein Stück Brot, Käse und als Trunk ein Quartier Dünnbier. Branntwein soll nicht ausgeschenkt werden. Er würde nur zu Trunkenheit führen und große Arbeitsunlust hervorrufen. […]

Trunkene Untertanen, die pfeifen, trommeln oder gar laut unsittliche Lieder singen, wobei der Gottesdienst gestört wird, werden vom Amt unnachsichtig bestraft.

 

Historisches Käsebrotessen in Rhüden 2017 – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Historisches Käsebrotessen in Rhüden 2017. Foto: Volker Harenberg, Natur- und Heimatfreunde Rhüden

Es folgten plattdeutsche Geschichten, vorgetragen von Friedrich Niehoff und Heinrich Bothe von den „Plattdeutschen Pfrünnen“ aus Bockenem. Mit lustigen Sketcheinlagen rundeten Erika Blech und Margret Sansone das Begleitprogramm ab.

Käsebrotessen 1700-1850

Das Käsebrotessen in Rhüden hat eine lange Tradition. Seit ca. 1700 war es für die Bauern und Handwerker der Lohn für geleistete Arbeit. Auch als die Löhne zum Ende des 19. Jahrhundert stiegen, behielt man die Tradition bei, zum Ende des Kirchenjahres, also kurz vor dem 1. Advent, Käse, Schmalz und Dünnbier aufzutischen.

Alles Käse?!

Beim Käsebrotessen werden jedes Jahr Spezialitäten einer kleinen Handwerkskäserei in der Region verspeist. Wussten Sie, dass Harzkäse und Harzer Käse zwei unterschiedliche Käsesorten sind? Im Gegensatz zum Harzer wird Harzkäse, auch Zellerfelder Bergkäse genannt, ausschließlich im Harz hergestellt. In Supermarktregalen ist er nur selten zu finden. Harzer Käse basiert auf Quark aus Sauermilch, während Harzkäse ein Süßmilchkäse ist!

Harzkäse-Zange © Museumshof „Ernst Koch“ CC BY-NC-SA (via museum-digital.de)

Lieblingsobjekte: Flügelhaube in Elbingerode

Manche Objekte haben etwas Besonders an sich: Vielleicht sind sie besonders schön oder sie haben eine besondere Geschichte – oder sie gefallen „einfach so“. In der Kategorie „Lieblingsobjekte“ stellen wir solche Stücke vor.

 

Flügelhaube in der Heimatstube Elbingerode – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla
Heimatstube Elbingerode

Die Heimatstube in Elbingerode (Niedersachsen) – nicht zu verwechseln mit Elbingerode (Harz)! – ist eines der kleinsten Heimatmuseen, die in diesem Blog vertreten sind. Die Sammlung besteht überwiegend aus Fotos aus der Dorfgeschichte und einigen historischen Alltagsgegenständen und kleinen Geräten. Aber die Heimatstube hat auch einige besonders gut erhaltene textile Objekte zu bieten. So sind zum Beispiel mehrere Festtags- und Alltagskleider aus der Zeit um 1900 zu bewundern. Auch diese unscheinbar wirkende Flügelhaube gehört dazu.

Flügelhaube? Schlunderhut, Holländer, Helgoländer, … !

Solche Hauben waren unter vielen verschiedenen Namen in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Von etwa 1870 bis in die 1950er Jahre hinein dienten sie den Frauen als Staub- und Sonnenschutz bei der Feldarbeit. Typischerweise sehen diese Hauben um den Kopf herum ähnlich wie ein Verdeck aus: Durch die gebogenen Stäbchen halten sie ihre Form und lassen sich mehr oder weniger weit ins Gesicht ziehen. Hinten und an den Seiten sind Stoffteile angebracht, die über Schultern und Nacken fallen. Sehr häufig sind die Hauben aus recht festem weißen Baumwollstoff mit einem Muster aus blauen Sternchen, Blüten oder Punkten.
Im Museum Europäischer Kulturen in Berlin findet sich zum Beispiel ein Exemplar aus Westfalen, dass der Elbingeröder Haube sehr ähnlich ist:

Flügelhaube aus der Sammlung Museum Europäischer Kulturen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Museum Europäischer Kulturen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz ((CC)BY-NC-SA 3.0 Deutschland)

Solche Hauben waren nicht als modisches Accessoire oder Teil einer Tracht gedacht, sondern dienten nur als Arbeitsschutz. Viele Exemplare waren deshalb bereits verschossen und verschlissen, als sie ihren Weg in Museumssammlungen fanden. Die Haube in Elbingerode wirkt jedoch fast wie neu. Der Stoff hat keine Löcher und ist fast nicht vergilbt. Wahrscheinlich wurde diese Haube also nur wenige Male getragen. Man kann deshalb die Vermutung aufstellen, dass sie eher aus der Mitte des 20. Jahrhunderts stammt, als die Arbeit ihrer Besitzerin zunehmend von Maschinen übernommen wurde. Vielleicht wohnt ja in Elbingerode noch jemand, der mehr weiß?

(Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen)

Auswärtsspiel: Heimatstube Exten

Heimatmuseen gibt es überall in Deutschland. Und überall zeigen sie, was ihre „Heimat“ besonders macht. Dafür findet jedes einen anderen Weg. Deshalb können sie auch für uns in Südniedersachsen Inspiration sein. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Reihe „Auswärtsspiel“ mit den Heimatmuseen außerhalb unserer Region.

Eingangstür der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel
Von der Heimatstube zum „Museum für Dorfkultur“

Die Heimatstube Exten wurde 1973 gegründet. Bis heute befindet sie sich in der ehemaligen Dorfschule. Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung auf über 2000 Objekte. Wie in vielen kleinen Museen platzten die Räume bald aus allen Nähten. Auch die Besucherzahlen nahmen immer weiter ab.
Doch die Heimatstube schaffte es, sich zu erneuern: Eine junge Extenerin studierte in Oldenburg im Masterstudiengang „Museum und Ausstellung“. Gemeinsam mit ihr und ihren Kommilitoninnen konnte der Heimatverein Exten seine Heimatstube von 2010 – 2014 neu aufstellen. Das neue „Museum für Dorfkultur“ wirkt hell und modern – und hat doch nichts vom Charme einer Heimatstube verloren.

Das Dorfleben in Exten in all seinen Aspekten darstellen

Die Hauptaspekte der neuen Dauerausstellung sind: Eine klare thematische Gliederung, eine durchgängiges Farbkonzept und eine Beschränkung der ausgestellten Objekte.

Schultafel im Heimatmuseum Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla
Leben – Arbeiten – Entdecken

Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche gegliedert. Die einzelnen Themen sind durch Schlagworte an den Wänden gekennzeichnet. Im Bild oben sieht man den Bereich „aufwachsen“. Hier wird eine Schulbank mit Schreibutensilien ebenso ausgestellt wie die Schultafel, die an ihrem angestammten Platz in dem ehemaligen Klassenraum hängt. Auch Spielzeug, z.B. ein Schlitten gehört in diesen Bereich. Zu den weiteren Bereichen gehören unter anderem:

Die Ausstellung zur Korbmacherei in der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel

„arbeiten“  –

Noch vor 100 Jahren war die Korbflechterei eine der wichtigsten Einnahmequellen in Exten. Entsprechend ist ihr eine große Ecke in diesem Themenbereich gewidmet. Aber auch viele andere traditionelle und modernere Berufe, von der Heimspinnerin zum Arbeiter in der Getränkefabrik, finden ihren Platz an der Wand gegenüber der Tafel.

 

 

Die museumspädagogische Station in der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel

„entdecken“ –

Ein besonderer Bereich ist dieser unscheinbare Schreibtisch. Mithilfe dieser Station können Kinder das Museum für sich entdecken. In einem Heft bekommen sie Rätsel und Aufgaben gestellt. Um diese „Forschungsprojekte“ durchzuführen, finden sich in den gelben Kisten Materialien. Die Kinder finden dort zum Beispiel Papier, um der Heimatstube auf der alten Schreibmaschine einen Brief zu schreiben.

Der gelbe Rahmen

Überall in der Ausstellung findet sich das leuchtende Gelb als Markenzeichen der Heimatstube wieder. Es sieht aber nicht nur schön aus, sondern erfüllt auch eine Funktion. Die auffälligen Markierungen lassen die Besucherinnen und Besuchern darüber reflektieren, dass sie nicht „das echte vergangene Dorfleben“ sehen, sondern eine Interpretation dieser Vergangenheit. Der Rahmen auf der Schultafel erinnert beispielsweise daran, dass sie eben keine Schultafel in einer Schule mehr ist, sondern ein Museumsobjekt in einer Ausstellung.

Der PC um auf die Museumsdatenbank zuzugreifen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla

Weniger ist mehr
Von den ca. 2000 Objekten der Sammlung werden im Augenblick nur noch einige hundert ausgestellt. Viele sehr ähnliche oder doppelte Objekte lagern nun in einem kleinen Depot. So können die Schmuckstücke der Sammlung in der Ausstellung zur Geltung kommen. Trotzdem sind die ausgelagerten Gegenstände Teil der Ausstellung. Per Computer können die Besucherinnen und Besucher nämlich auf das Inventar des Museums zugreifen. Auf diese Weise stehen ihnen alle 2000 Objekte zur Verfügung.

Sie möchten das Museum für Dorfkultur mit eigenen Augen sehen?

Heimatstube Exten – museum für Dorfkultur
Am Anger 2
31737 Rinteln-Exten

Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 10:00 – 12:00 Uhr und nach Vereinbarung
Webseite

Informationen, Adressen und Öffnungszeiten zu den südniedersächsischen Museen, die in diesem Blog vertreten sind, finden Sie hier.

Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen