Auswärtsspiel: Heimatstube Exten

Heimatmuseen gibt es überall in Deutschland. Und überall zeigen sie, was ihre „Heimat“ besonders macht. Dafür findet jedes einen anderen Weg. Deshalb können sie auch für uns in Südniedersachsen Inspiration sein. Aus diesem Grund beschäftigt sich die Reihe „Auswärtsspiel“ mit den Heimatmuseen außerhalb unserer Region.

Eingangstür der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel
Von der Heimatstube zum „Museum für Dorfkultur“

Die Heimatstube Exten wurde 1973 gegründet. Bis heute befindet sie sich in der ehemaligen Dorfschule. Im Laufe der Jahre wuchs die Sammlung auf über 2000 Objekte. Wie in vielen kleinen Museen platzten die Räume bald aus allen Nähten. Auch die Besucherzahlen nahmen immer weiter ab.
Doch die Heimatstube schaffte es, sich zu erneuern: Eine junge Extenerin studierte in Oldenburg im Masterstudiengang „Museum und Ausstellung“. Gemeinsam mit ihr und ihren Kommilitoninnen konnte der Heimatverein Exten seine Heimatstube von 2010 – 2014 neu aufstellen. Das neue „Museum für Dorfkultur“ wirkt hell und modern – und hat doch nichts vom Charme einer Heimatstube verloren.

Das Dorfleben in Exten in all seinen Aspekten darstellen

Die Hauptaspekte der neuen Dauerausstellung sind: Eine klare thematische Gliederung, eine durchgängiges Farbkonzept und eine Beschränkung der ausgestellten Objekte.

Schultafel im Heimatmuseum Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla
Leben – Arbeiten – Entdecken

Die Ausstellung ist in mehrere Themenbereiche gegliedert. Die einzelnen Themen sind durch Schlagworte an den Wänden gekennzeichnet. Im Bild oben sieht man den Bereich „aufwachsen“. Hier wird eine Schulbank mit Schreibutensilien ebenso ausgestellt wie die Schultafel, die an ihrem angestammten Platz in dem ehemaligen Klassenraum hängt. Auch Spielzeug, z.B. ein Schlitten gehört in diesen Bereich. Zu den weiteren Bereichen gehören unter anderem:

Die Ausstellung zur Korbmacherei in der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel

„arbeiten“  –

Noch vor 100 Jahren war die Korbflechterei eine der wichtigsten Einnahmequellen in Exten. Entsprechend ist ihr eine große Ecke in diesem Themenbereich gewidmet. Aber auch viele andere traditionelle und modernere Berufe, von der Heimspinnerin zum Arbeiter in der Getränkefabrik, finden ihren Platz an der Wand gegenüber der Tafel.

 

 

Die museumspädagogische Station in der Heimatstube Exten – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Astrid Vettel

„entdecken“ –

Ein besonderer Bereich ist dieser unscheinbare Schreibtisch. Mithilfe dieser Station können Kinder das Museum für sich entdecken. In einem Heft bekommen sie Rätsel und Aufgaben gestellt. Um diese „Forschungsprojekte“ durchzuführen, finden sich in den gelben Kisten Materialien. Die Kinder finden dort zum Beispiel Papier, um der Heimatstube auf der alten Schreibmaschine einen Brief zu schreiben.

Der gelbe Rahmen

Überall in der Ausstellung findet sich das leuchtende Gelb als Markenzeichen der Heimatstube wieder. Es sieht aber nicht nur schön aus, sondern erfüllt auch eine Funktion. Die auffälligen Markierungen lassen die Besucherinnen und Besuchern darüber reflektieren, dass sie nicht „das echte vergangene Dorfleben“ sehen, sondern eine Interpretation dieser Vergangenheit. Der Rahmen auf der Schultafel erinnert beispielsweise daran, dass sie eben keine Schultafel in einer Schule mehr ist, sondern ein Museumsobjekt in einer Ausstellung.

Der PC um auf die Museumsdatenbank zuzugreifen – Heimat.Museum.Südniedersachsen
Foto: Charlotte Kalla

Weniger ist mehr
Von den ca. 2000 Objekten der Sammlung werden im Augenblick nur noch einige hundert ausgestellt. Viele sehr ähnliche oder doppelte Objekte lagern nun in einem kleinen Depot. So können die Schmuckstücke der Sammlung in der Ausstellung zur Geltung kommen. Trotzdem sind die ausgelagerten Gegenstände Teil der Ausstellung. Per Computer können die Besucherinnen und Besucher nämlich auf das Inventar des Museums zugreifen. Auf diese Weise stehen ihnen alle 2000 Objekte zur Verfügung.

Sie möchten das Museum für Dorfkultur mit eigenen Augen sehen?

Heimatstube Exten – museum für Dorfkultur
Am Anger 2
31737 Rinteln-Exten

Öffnungszeiten: Jeden 1. und 3. Sonntag im Monat, 10:00 – 12:00 Uhr und nach Vereinbarung
Webseite

Informationen, Adressen und Öffnungszeiten zu den südniedersächsischen Museen, die in diesem Blog vertreten sind, finden Sie hier.

Text: Charlotte Kalla, Landschaftsverband Südniedersachsen